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2017

OKTOBER

Unsere Lesung „Vom Sonnenaufgang – Heinrich Hoffmann als Psychiater“ zeigen wir hier:

Am 12.10.2017 organisiert vom Zentrum für Psychiatrie Reichenau zeigen wir „Vom Sonnenaufgang“

um 19:30 im Kulturzentrum am Münster Konstanz

Wessenbergstr. 41/43

78462 Konstanz

http://www.konstanz.de/kulturzentrum/

SEPTEMBER

Zum Todestag Heinrich Hoffmanns am 20.9.2017 zeigen wir unsere Lesung „Vom Sonnenaufgang – Heinrich Hoffmann als Psychiater“ in der Psychiatrie Basel um 18:30 Uhr

20.9.2017 um 18: 30 Uhr

Psychiatrie Basel

Wilhelm Klein-Strasse 27

4002 Basel

MAI

20.5.2017 in der Rêverie Zehlendorf um 15:30 Uhr „Vom Sonnenaufgang – Heinrich Hoffmann als Psychiater“

Pfeddersheimer Weg 61-67

14129 Berlin

Eintritt frei

ACHTUNG: telefonische Anmeldung unter 030 92358260 notwendig

APRIL

am 26.4. in der Schlosspark-Klinik in Berlin Charlottenburg um 19:00 Uhr

Cafeteria der Schlosspark Klinik

Heubnerweg 2

14059 Berlin

Eintritt frei

Unsere Lesereise mit „Vom Sonnenaufgang – Heinrich Hoffmann als Psychiater“ durch Süddeutschland ist nun abgeschlossen. Wir hatten wunderschöne Abende in Freiburg, Illenau und Emmendingen! Vielen Dank den Veranstaltern und dem Publikum, es war wirklich toll!

am 7.4.2017 im Festsaal der Psychiatrie Emmendingen um 19:30 Uhr

Neubronnstraße 25

79312 Emmendingen

Eintritt 10€/ermässigt 8 €

Jugendliche bis 16 Jahre kostenfrei

weitere Infos unter: https://www.zfp-emmendingen.de/veranstaltungen/vom-sonnenaufgang-lesung-mit-musik

am 6.4.2017 auf der Illenau bei Achern um 20 Uhr

Festsaal der Illenau

Illenauer Allee 75

77855 Achern

Karten 9 €/ 6 € an der Abendkasse

am 4.4.2017 in der Kapelle der Psychiatrie Freiburg um 19 Uhr

Hauptstr. 5

79104 Freiburg

Eintritt frei

Vom Sonnenaufgang – Heinrich Hoffmann als Psychiater. Texte und Musik

Lesung mit Musik

Heinrich Hoffmann wurde als Struwwelpeter-Autor weltberühmt. Sein Lebenswerk war jedoch die Reform der Psychiatrie im Frankfurt des 19. Jahrhunderts. Für den modernen Neubau der von ihm geleiteten Anstalt wurde er zu einem der ersten Crowdfunder, der für seine epileptischen, schizophrenen und depressiven Patienten Gärten einrichtete und regelmäßig Konzerte für sie veranstaltete. Sein Credo, die Visite des Arztes bei seinen Patienten müsse dem Sonnenaufgang gleichen, setzte er konsequent um, wie Dankesbriefe seiner Patienten belegen. Seine Ur-Ur-Ur-Enkelinnen, die Schauspielerin Nina Weniger und die Saxophonistin Johanna Hessenberg, präsentieren Texte zur Psychiatrie von Doktor Hoffmann mit Musik.

Dauer: ca. 75 min. inkl. 15-minütige Pause

PRESSESTIMMEN:

Aus der Badischen Zeitung, April 2017:

http://www.badische-zeitung.de/emmendingen/er-ergriff-unkonventionelle-wege–135340071.html

„Er ergriff unkonventionelle Wege“

BZ-INTERVIEW mit den Urururenkelinnen des „Struwwelpeter“-Autors Heinrich Hoffmann, der die Psychiatrie reformierte.

  1. Struwwelpeter Foto: Repro: BZ

  2. Urururenkelinnen des „Struwwelpeter“-Autors: Johanna Hessenberg (links) und Nina Weniger Foto: Anton Weniger

EMMENDINGEN. Weil er kein passendes Buch für seinen Sohn fand, verfasste Heinrich Hoffmann selbst eines. Die Entstehungsgeschichte des Klassikers „Der Struwwelpeter“ ist vielen unbekannt. Genau wie die Biografie des Autors, der als Reformator der Psychiatrie gilt. Diese Seite Hoffmanns thematisieren seine Urururenkelinnen Nina Weniger und Johanna Hessenberg am Freitag, 7. April, in einer Lesung im Zentrum für Psychiatrie. Mit Lena Marie Jörger sprachen sie vorab über Hoffmanns Arbeit, seine Ansichten und den „Struwwelpeter“.

BZ: Sie können das Buch bestimmt auswendig.
Hessenberg: Der „Struwwelpeter“ war immer sehr präsent bei uns zu Hause, wir bekamen oft daraus vorgelesen. Ich kann viele Passagen auswendig.
Weniger: Ich auch, genauso wie unsere Mutter, die Onkel, Tanten und Cousinen. Das gehört ganz selbstverständlich dazu.
Hessenberg: Unser Großvater Kurt Hessenberg, der Komponist war, hat auch eine Struwwelpeterkantate komponiert.
Weniger: Die können wir auch alle auswendig.
Hessenberg: Und unsere Großmutter hat früher im Struwwelpetermuseum in Frankfurt durch die Ausstellung geführt, da waren wir als Kinder oft dabei.

BZ: Wie reagieren Menschen, wenn sie erfahren, dass Sie Urururenkelinnen des Autors sind?
Weniger: Ich erzähle das eigentlich nur im Zusammenhang mit unserer Lesung. Viele Menschen stehen dem „Struwwelpeter“ heute sehr negativ gegenüber, finden, dass es sich um „schwarze Pädagogik“ handelt. Ich sehe das anders. Ich hatte nie Angst bei den Geschichten, mein Sohn auch nicht. Aber es sind Vorlesegeschichten: Man sollte Kinder damit nicht alleine lassen, sondern mit ihnen darüber reden, es erklären.
Hessenberg: Die meisten Menschen reagieren positiv, aber manche machen auch Kommentare, dass sie das Buch ganz schrecklich finden. Ich verstehe, warum manche Menschen so denken, kann die Gedanken aber nicht teilen, weil ich die Geschichte der Entstehung kenne.

„Er wollte, dass seine Patienten vergessen könnten, dass sie in einer Anstalt eingesperrt sind.“ Nina Weniger

BZ: In dem Buch geht es ganz schön brutal zu: Dem Daumenlutscher zum Beispiel werden zwei Finger abgeschnitten. Auf den ersten Blick scheint es also eine Art Ratgeber für eine Erziehung voller Verbote und Angstmacherei zu sein. Tatsächlich aber nutzte Hoffmann diese Art von Geschichten, um Patienten zu beruhigen, richtig?
Hessenberg: Ja, genau. Die Geschichten sind im Krankenzimmer entstanden, um die Kinder abzulenken und um ihnen die Angst zu nehmen. Die Idee, daraus ein Buch zu machen, kam erst viel später.
Weniger: Hoffmann war auf der Suche nach einem guten Kinderbuch, fand aber nur ellenlange, ermahnende Texte ohne Bilder und vor allem ohne Humor. Er wollte ein lustiges, buntes Buch für seine Kinder haben, und da musste er es eben selbst schreiben.

BZ: Bekannt wurde Hoffmann als „Struwwelpeter“-Autor, aber sein Lebenswerk war etwas anderes: die Reform der Psychiatrie im 19. Jahrhundert.
Weniger: Er war ein Humanist. Er war davon überzeugt, dass man psychisch Kranken eine angenehme Umgebung schaffen sollte, ihnen Konzertbesuche und Spaziergänge in schönen Gärten ermöglichen. Er wollte Licht und Luft für seine Patienten und dass sie möglichst vergessen könnten, dass sie in einer Anstalt eingesperrt sind.
Hessenberg: Einen verwirrten Patienten heilte er zum Beispiel, indem er ihm seine Geige aufs Zimmer bringen ließ. Er war ein guter Geiger und fand hauptsächlich durch die Musik den Weg zurück in sein altes Leben. Das finde ich eine wunderschöne Geschichte. Andere Ärzte hätten sicher ganz andere Maßnahmen ergriffen, aber Heinrich Hoffmann ergriff manchmal sehr unkonventionelle Wege, sogar aus Sicht unserer heutigen Zeit.

BZ: Hoffmann arbeitete in der „Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt. Die Zustände schockierten ihn und er entschloss sich zu einem Neubau. Heutzutage würde man sagen, er realisierte das Projekt per „Crowdfunding“. Für die damalige Zeit sehr fortschrittlich.
Weniger: Genau. Es ist interessant, wenn man sich mit dieser 150 Jahre alten Geschichte befasst, wie vertraut einem vieles ist: Hoffmann schlägt der Stadt Frankfurt vor, eine neue, große schöne Anstalt mit großen Gärten zu bauen. Die Stadt ist begeistert – aber nicht bereit, dafür zu zahlen. Also muss er sich etwas anderes überlegen.
Hessenberg: Er konnte sehr gut schreiben und andere für seine Ideen einnehmen. Er veröffentlichte zum Beispiel in einer Zeitung ein fiktives Gedicht aus Sicht eines Patienten mit einem Spendenaufruf. Am Schluss bekam er auf diese Weise das Geld tatsächlich zusammen.

BZ: Nicht nur das war fortschrittlich, sondern auch die Klinik. Inwiefern?
Weniger: Die alte Anstalt muss schlimm gewesen sein: eng, stickig, mitten in der Stadt mit einem winzigen Gärtchen, Männlein und Weiblein zusammen, Tobsüchtige und Depressive in einer Zelle. All das wollte Hoffmann verbessern, und das ist ihm schließlich auch gelungen.
BZ: Ebenfalls fortschrittlich: Hoffmann wohnte mit seiner Familie in dem Neubau, quasi Tür an Tür mit den Patienten.
Hessenberg: Ja, ich finde es sehr beachtlich, dass er keine Berührungsängste hatte, sondern im Gegenteil der Überzeugung war, dass beide Seiten von einem Zusammenleben profitieren.
Weniger: Ja, das war zu dieser Zeit absolut modern. Ein Anstaltsleiter, der etwas auf sich hielt, wohnte auch in der Anstalt.
BZ: Was erwartet Besucher am Freitag?
Hessenberg: Sie bekommen einen Einblick in Hoffmanns Leben und seinen Werdegang als Psychiater. Es werden die Neuerungen, die er als Direktor der Frankfurter Nervenheilanstalt durchsetzte, beleuchtet und sein Wirken als Arzt. Anhand von Fallbeispielen bekommt man einen Einblick in seine sehr menschliche Art im Umgang mit den Patienten.
Weniger: Hoffmann war ein humorvoller Mensch und er konnte gut erzählen. In der Lesung gibt es viele Zitate aus seinen Memoiren, Berichte seiner Freunde, seines Vaters, historische Hintergründe, von denen man heute zum Teil nichts mehr weiß. Oder wussten Sie, dass man 1829 an der Zollstation zwischen Frankfurt und Heidelberg auf geschmuggelte Schokolade durchsucht wurde?

Die Lesung: Mit dem Kultur- und Freizeitangebot Komm (Kommunikation, Kreativität, und Kontakte) am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen wird Hoffmanns Arbeit im Prinzip fortgesetzt. Regelmäßig finden Veranstaltungen – viele davon sind öffentlich – wie Theateraufführungen, Filmabende oder Konzerte statt. Damit werden den Patienten Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung geboten. Unter dem Titel „Vom Sonnenaufgang“ lädt das Komm-Team auf Freitag, 7. April, 19.30 Uhr, zur Lesung mit Musik mit Nina Weniger und Johanna Hessenberg in die Festhalle des ZfP ein. Der Eintritt kostet zehn (ermäßigt acht) Euro. Jugendliche bis 16 Jahre haben freien Eintritt.
Die Ausstellung: Bis zum 6. Mai ist „Die Entstehungsgeschichte des Struwwelpeters“ im Foyer des Rathauses zu sehen. Das Komm-Team hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Struwwelpeter-Museum in Frankfurt nach Emmendingen geholt.

INFO: Interviewpartnerinnen

Nina Weniger (48) lebt in Berlin und ist Rhetorik-Coach und freiberufliche Schauspielerin. Unter anderem war sie in Theaterrollen, Filmen und Fernsehserien wie dem „Tatort“ zu sehen. Sie ist Mutter eines 19-jährigen Sohnes.
Johanna Hessenberg (35), wohnt ebenfalls in Berlin, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie arbeitet als freiberufliche Saxofonistin. Sie und Nina Weniger sind Urururenkelinnen von Heinrich Hoffmann (1809 bis 1894). Er arbeitete als Leicheninspektor, Anatomiedozent und Psychiater. Mehr als 30 Jahre war er leitender Arzt in der „Anstalt für Irre und Epileptische“. Als bürgerlicher Liberaler saß er im Frankfurter Vorparlament. Er schrieb mehrere Gedichte, Geschichten und Satiren.

AUS DEM „SONNTAG“ DER BADISCHEN ZEITUNG FREIBURG:

Der Sonntag  2. April 2017  LOKALES 13
Nachfahrinnen des Struwwelpeter-Autors lesen zu Psychiater HEINRICH HOFFMANN
„Mein Ur-Ur-Urgroßvater hat einmal geschrieben: Wenn ein Psychiater in den Raum eines Patienten kommt, muss es für den wie ein Sonnenaufgang sein“, erzählt Nina Weniger. Die Berliner Schauspielerin, die schon für den „Tatort“ und diverse Fern- sehserien vor der Kamera stand, ist eine Nachfahrin von Heinrich Hoffmann. Der Frankfurter Psychiater ist heute den meisten als Autor des Kinderbuchs „Struwwelpeter“ bekannt–doch um den soll es bei der Lesung „Vom Sonnenaufgang“ nicht gehen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Johanna Hessenberg möchte Weniger das Werk ihres Urahnen im Bereich der Psychiatrie darstellen. „Als wir Kinder waren, war der Struwwelpeter bei uns allgegenwärtig“, erzählt Weniger. „Als wir uns dann näher mit den Memoiren und hinterlassenen Texten von Heinrich Hoffmann beschäftigt haben, wurde uns klar, was für ein spannender Mensch er war.“ Hoffmann war Mitte des 19. Jahrhunderts für einen großen Umschwung in der Frankfurter Psychiatrie verantwortlich. Erholung statt Einsperrung war die Devise. So wurde unter seiner Ägide ein großzügiges neues Gebäude am Stadtrand gebaut, besonders auf die Bedürfnisse psychisch Kranker ausgerichtet. „Hoffmann waren die Gärten besonders wichtig – frische Luft ist die beste Medizin, fand er“, erzählt Weniger. In der einstündigen Lesung stellen die beiden Schwestern in einer atmosphärischen Inszenierung das Leben und Wirken ihres Urururgroßvaters als Psychiater dar. Weniger liest vor, Hessenberg begleitet sie mit Musikstücken auf dem Saxophon, eigens für die Lesung geschrieben vom israelischen Komponisten Yuval Halpern. „Die Details machen die Geschichte so besonders“, sagt Weniger. So kommt nicht nur der Psychiater selbst zu Wort, Weniger liest auch Aufzeichnungen einiger seiner Patienten vor. „Da gibt es etwa einen 13-jährigen Jungen, der in der Schule von seinem Lehrer so heftig verprügelt wurde, dass er Halluzinationen bekam und überall Gespenster und Schlangen sah.“ Als Hoffmann den Jungen mit nach Haus nahm, damit er mit seinen Enkeln spielen konnte, notierte der, es gehe ihm schon viel besser.
„Die Lesung ist für jeden gedacht, der gerne schöne Musik hört. Und für jeden, der sich für Medizingeschichte interessiert und für das Gesellschaftsbild, das die Menschen damals hatten“, fasst Weniger zusammen. Kommenden Dienstag um 19 Uhr gastieren Weniger und Hessenberg in der Kapelle des Zentrums für psychische Erkrankungen der Uniklinik Freiburg, Hauptstraße 5. Am Freitag treten sie im Emmendinger Zentrum für Psychiatrie auf. MORITZ NEUFELD >VORTRAG „VOR SONNENAUFGANG“, am Dienstag, 4. April, um 19 Uhr in der Kapelle des Zentrums für psychische Erkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg. Der Eintritt ist frei.