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Presse

Interview mit Sven Henrich (RSF Konstanz)

 

Wochenzeitung Emmendingen | 12.04.2017

Der Sonntag | Freiburg | 02.04.2017

Sammlung Prinzhorn | Heidelberg | 21.09.2016

 

Badische Neueste Nachrichten | Acher- und Bühler Bote | ACHERN | 08.04.2017

Eselsblut soll manche Krankheit heilen

Nachfahren stellen in der Illenau „Struwwelpeter“-Autor Heinrich Hoffmann als Nervenarzt vor

GELUNGENER ABEND: Schauspielerin Nina Weniger (links) und Saxofonistin Johanna Hessenberg. Foto: bgt

Heinrich Hoffmann, den Autor des „Struwwelpeter“, einmal von seiner anderen Seite zu beleuchten, nämlich der des engagierten Nervenarztes, ist kein schlechter Ansatz. Vor allem als Einstieg zum 175. Jubiläum der Acherner Illenau, einer ehemaligen Psychiatrie. Die Kulturreihe „gong“ Achern präsentierte am Donnerstagabend zu diesem Anlass eine Lesung mit Musik, die sich im weitesten Sinne als eine familiäre Angelegenheit darstellte. Denn zwei Ur-Ur-Ur-Enkelinnen von Heinrich Hoffmann, die Schauspielerin Nina Weniger und die Saxofonistin Johanna Hessenberg, gestalteten einen ebenso lehrreichen wie musikalisch stimmungsvollen Abriss seines ereignisreichen Lebens unter dem Titel „Vom Sonnenaufgang“. Damit nahmen sie Bezug auf einen Ausspruch Hoffmanns, mit dem er sein gesamtes Schaffen als Arzt und Leiter einer Nervenheilanstalt auf einen Nenner bringt: „Es muss vor allem so sein, dass der Eintritt des Arztes in eine Abteilung etwas vom Sonnenaufgang an sich habe!“

Den zwei jungen Damen gelingt es ganz ausgezeichnet, die Atmosphäre der noch in den Kinderschuhen steckenden Psychiatrie des ausgehenden 19. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Nina Weniger schildert den Lebensweg des engagierten Arztes, dessen gesamtes medizinisches Wirken von dem Moment an in den Hintergrund tritt, als sein großartig bebildertes Werk „Der Struwwelpeter“ erscheint, was Hoffmann selbst mit den Worten kommentiert: „Im Leben werden oft Nebendinge zu Hauptmomenten.“

Sie lässt Heinrich Hoffmann oft aus seinen Lebenserinnerungen selbst zu Wort kommen, zitiert seine heute bizarr anmutenden Bezeichnungen für Kranke, wie „Irre, Schwachsinnige, und Blöde“, was freilich damals keineswegs abwertend gemeint war, und sie verweist auf kuriose Befunde und Heilverfahren dieser Zeit. So war man beispielsweise davon überzeugt, dass mancherlei Krankheiten „mit Eselsblut, abgezapft hinter den Ohren, zu kurieren“ seien und Ähnliches mehr. Das macht sie mit kräftiger Stimme und hervorragender Artikulation. Ihr gelingt selbst das hessische Idiom überzeugend, wenn sie den Großvater des im Jahr 1809 in Frankfurt geborenen Heinrich Hoffmann anführt, der davon berichtet, dass sein Enkel ein Siebenmonatskind war und als schmächtiger und weichlicher Junge in der Schule stets durchgeprügelt worden sei. Der Vater hingegen erwägt so mancherlei Berufe für seinen Sohn: Advokat, Prediger, Lehrer oder Professor, nur Beamter sollte er nicht werden. Aber Arzt, als Freund in der Not, das schien ihm das Beste zu sein. Der Sohn überlegte kurz – und beschloss, Arzt zu werden.

Nina Wenigers Darbietung wird kongenial unterstützt von der Saxofonistin Johanna Hessenberg. Ihre Solonummern zwischen den Texten zeugen von großer Virtuosität und Eindringlichkeit. Zu Beginn steht die „Fantasie in A-Dur“ von Georg Philipp Telemann und im Folgenden Kompositionen des Israeli Yuval Halpern, äußerst stimmungsvolle Passagen, die der Gesamtdarbietung das harmonische Gepräge geben.

Hier wurde dem Publikum einmal die ganz andere, eigentliche Seite eines weltberühmten Autors nähergebracht – dank seiner beiden großartig aufspielenden Ur-Ur-Ur-Enkelinnen.
Bodo G: Toussaint

 

Aus der Badischen Zeitung, April 2017:

http://www.badische-zeitung.de/emmendingen/er-ergriff-unkonventionelle-wege–135340071.html

„Er ergriff unkonventionelle Wege“

BZ-INTERVIEW mit den Urururenkelinnen des „Struwwelpeter“-Autors Heinrich Hoffmann, der die Psychiatrie reformierte.

  1. Struwwelpeter Foto: Repro: BZ

  2. Urururenkelinnen des „Struwwelpeter“-Autors: Johanna Hessenberg (links) und Nina Weniger Foto: Anton Weniger

EMMENDINGEN. Weil er kein passendes Buch für seinen Sohn fand, verfasste Heinrich Hoffmann selbst eines. Die Entstehungsgeschichte des Klassikers „Der Struwwelpeter“ ist vielen unbekannt. Genau wie die Biografie des Autors, der als Reformator der Psychiatrie gilt. Diese Seite Hoffmanns thematisieren seine Urururenkelinnen Nina Weniger und Johanna Hessenberg am Freitag, 7. April, in einer Lesung im Zentrum für Psychiatrie. Mit Lena Marie Jörger sprachen sie vorab über Hoffmanns Arbeit, seine Ansichten und den „Struwwelpeter“.

BZ: Sie können das Buch bestimmt auswendig.
Hessenberg: Der „Struwwelpeter“ war immer sehr präsent bei uns zu Hause, wir bekamen oft daraus vorgelesen. Ich kann viele Passagen auswendig.
Weniger: Ich auch, genauso wie unsere Mutter, die Onkel, Tanten und Cousinen. Das gehört ganz selbstverständlich dazu.
Hessenberg: Unser Großvater Kurt Hessenberg, der Komponist war, hat auch eine Struwwelpeterkantate komponiert.
Weniger: Die können wir auch alle auswendig.
Hessenberg: Und unsere Großmutter hat früher im Struwwelpetermuseum in Frankfurt durch die Ausstellung geführt, da waren wir als Kinder oft dabei.

BZ: Wie reagieren Menschen, wenn sie erfahren, dass Sie Urururenkelinnen des Autors sind?
Weniger: Ich erzähle das eigentlich nur im Zusammenhang mit unserer Lesung. Viele Menschen stehen dem „Struwwelpeter“ heute sehr negativ gegenüber, finden, dass es sich um „schwarze Pädagogik“ handelt. Ich sehe das anders. Ich hatte nie Angst bei den Geschichten, mein Sohn auch nicht. Aber es sind Vorlesegeschichten: Man sollte Kinder damit nicht alleine lassen, sondern mit ihnen darüber reden, es erklären.
Hessenberg: Die meisten Menschen reagieren positiv, aber manche machen auch Kommentare, dass sie das Buch ganz schrecklich finden. Ich verstehe, warum manche Menschen so denken, kann die Gedanken aber nicht teilen, weil ich die Geschichte der Entstehung kenne.

„Er wollte, dass seine Patienten vergessen könnten, dass sie in einer Anstalt eingesperrt sind.“ Nina Weniger

BZ: In dem Buch geht es ganz schön brutal zu: Dem Daumenlutscher zum Beispiel werden zwei Finger abgeschnitten. Auf den ersten Blick scheint es also eine Art Ratgeber für eine Erziehung voller Verbote und Angstmacherei zu sein. Tatsächlich aber nutzte Hoffmann diese Art von Geschichten, um Patienten zu beruhigen, richtig?
Hessenberg: Ja, genau. Die Geschichten sind im Krankenzimmer entstanden, um die Kinder abzulenken und um ihnen die Angst zu nehmen. Die Idee, daraus ein Buch zu machen, kam erst viel später.
Weniger: Hoffmann war auf der Suche nach einem guten Kinderbuch, fand aber nur ellenlange, ermahnende Texte ohne Bilder und vor allem ohne Humor. Er wollte ein lustiges, buntes Buch für seine Kinder haben, und da musste er es eben selbst schreiben.

BZ: Bekannt wurde Hoffmann als „Struwwelpeter“-Autor, aber sein Lebenswerk war etwas anderes: die Reform der Psychiatrie im 19. Jahrhundert.
Weniger: Er war ein Humanist. Er war davon überzeugt, dass man psychisch Kranken eine angenehme Umgebung schaffen sollte, ihnen Konzertbesuche und Spaziergänge in schönen Gärten ermöglichen. Er wollte Licht und Luft für seine Patienten und dass sie möglichst vergessen könnten, dass sie in einer Anstalt eingesperrt sind.
Hessenberg: Einen verwirrten Patienten heilte er zum Beispiel, indem er ihm seine Geige aufs Zimmer bringen ließ. Er war ein guter Geiger und fand hauptsächlich durch die Musik den Weg zurück in sein altes Leben. Das finde ich eine wunderschöne Geschichte. Andere Ärzte hätten sicher ganz andere Maßnahmen ergriffen, aber Heinrich Hoffmann ergriff manchmal sehr unkonventionelle Wege, sogar aus Sicht unserer heutigen Zeit.

BZ: Hoffmann arbeitete in der „Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt. Die Zustände schockierten ihn und er entschloss sich zu einem Neubau. Heutzutage würde man sagen, er realisierte das Projekt per „Crowdfunding“. Für die damalige Zeit sehr fortschrittlich.
Weniger: Genau. Es ist interessant, wenn man sich mit dieser 150 Jahre alten Geschichte befasst, wie vertraut einem vieles ist: Hoffmann schlägt der Stadt Frankfurt vor, eine neue, große schöne Anstalt mit großen Gärten zu bauen. Die Stadt ist begeistert – aber nicht bereit, dafür zu zahlen. Also muss er sich etwas anderes überlegen.
Hessenberg: Er konnte sehr gut schreiben und andere für seine Ideen einnehmen. Er veröffentlichte zum Beispiel in einer Zeitung ein fiktives Gedicht aus Sicht eines Patienten mit einem Spendenaufruf. Am Schluss bekam er auf diese Weise das Geld tatsächlich zusammen.

BZ: Nicht nur das war fortschrittlich, sondern auch die Klinik. Inwiefern?
Weniger: Die alte Anstalt muss schlimm gewesen sein: eng, stickig, mitten in der Stadt mit einem winzigen Gärtchen, Männlein und Weiblein zusammen, Tobsüchtige und Depressive in einer Zelle. All das wollte Hoffmann verbessern, und das ist ihm schließlich auch gelungen.
BZ: Ebenfalls fortschrittlich: Hoffmann wohnte mit seiner Familie in dem Neubau, quasi Tür an Tür mit den Patienten.
Hessenberg: Ja, ich finde es sehr beachtlich, dass er keine Berührungsängste hatte, sondern im Gegenteil der Überzeugung war, dass beide Seiten von einem Zusammenleben profitieren.
Weniger: Ja, das war zu dieser Zeit absolut modern. Ein Anstaltsleiter, der etwas auf sich hielt, wohnte auch in der Anstalt.
BZ: Was erwartet Besucher am Freitag?
Hessenberg: Sie bekommen einen Einblick in Hoffmanns Leben und seinen Werdegang als Psychiater. Es werden die Neuerungen, die er als Direktor der Frankfurter Nervenheilanstalt durchsetzte, beleuchtet und sein Wirken als Arzt. Anhand von Fallbeispielen bekommt man einen Einblick in seine sehr menschliche Art im Umgang mit den Patienten.
Weniger: Hoffmann war ein humorvoller Mensch und er konnte gut erzählen. In der Lesung gibt es viele Zitate aus seinen Memoiren, Berichte seiner Freunde, seines Vaters, historische Hintergründe, von denen man heute zum Teil nichts mehr weiß. Oder wussten Sie, dass man 1829 an der Zollstation zwischen Frankfurt und Heidelberg auf geschmuggelte Schokolade durchsucht wurde?

Die Lesung: Mit dem Kultur- und Freizeitangebot Komm (Kommunikation, Kreativität, und Kontakte) am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen wird Hoffmanns Arbeit im Prinzip fortgesetzt. Regelmäßig finden Veranstaltungen – viele davon sind öffentlich – wie Theateraufführungen, Filmabende oder Konzerte statt. Damit werden den Patienten Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung geboten. Unter dem Titel „Vom Sonnenaufgang“ lädt das Komm-Team auf Freitag, 7. April, 19.30 Uhr, zur Lesung mit Musik mit Nina Weniger und Johanna Hessenberg in die Festhalle des ZfP ein. Der Eintritt kostet zehn (ermäßigt acht) Euro. Jugendliche bis 16 Jahre haben freien Eintritt.
Die Ausstellung: Bis zum 6. Mai ist „Die Entstehungsgeschichte des Struwwelpeters“ im Foyer des Rathauses zu sehen. Das Komm-Team hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Struwwelpeter-Museum in Frankfurt nach Emmendingen geholt.

INFO: Interviewpartnerinnen

Nina Weniger (48) lebt in Berlin und ist Rhetorik-Coach und freiberufliche Schauspielerin. Unter anderem war sie in Theaterrollen, Filmen und Fernsehserien wie dem „Tatort“ zu sehen. Sie ist Mutter eines 19-jährigen Sohnes.
Johanna Hessenberg (35), wohnt ebenfalls in Berlin, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie arbeitet als freiberufliche Saxofonistin. Sie und Nina Weniger sind Urururenkelinnen von Heinrich Hoffmann (1809 bis 1894). Er arbeitete als Leicheninspektor, Anatomiedozent und Psychiater. Mehr als 30 Jahre war er leitender Arzt in der „Anstalt für Irre und Epileptische“. Als bürgerlicher Liberaler saß er im Frankfurter Vorparlament. Er schrieb mehrere Gedichte, Geschichten und Satiren.

AUS DEM „SONNTAG“ DER BADISCHEN ZEITUNG FREIBURG:

Der Sonntag  2. April 2017  LOKALES 13
Nachfahrinnen des Struwwelpeter-Autors lesen zu Psychiater HEINRICH HOFFMANN
„Mein Ur-Ur-Urgroßvater hat einmal geschrieben: Wenn ein Psychiater in den Raum eines Patienten kommt, muss es für den wie ein Sonnenaufgang sein“, erzählt Nina Weniger. Die Berliner Schauspielerin, die schon für den „Tatort“ und diverse Fern- sehserien vor der Kamera stand, ist eine Nachfahrin von Heinrich Hoffmann. Der Frankfurter Psychiater ist heute den meisten als Autor des Kinderbuchs „Struwwelpeter“ bekannt–doch um den soll es bei der Lesung „Vom Sonnenaufgang“ nicht gehen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Johanna Hessenberg möchte Weniger das Werk ihres Urahnen im Bereich der Psychiatrie darstellen. „Als wir Kinder waren, war der Struwwelpeter bei uns allgegenwärtig“, erzählt Weniger. „Als wir uns dann näher mit den Memoiren und hinterlassenen Texten von Heinrich Hoffmann beschäftigt haben, wurde uns klar, was für ein spannender Mensch er war.“ Hoffmann war Mitte des 19. Jahrhunderts für einen großen Umschwung in der Frankfurter Psychiatrie verantwortlich. Erholung statt Einsperrung war die Devise. So wurde unter seiner Ägide ein großzügiges neues Gebäude am Stadtrand gebaut, besonders auf die Bedürfnisse psychisch Kranker ausgerichtet. „Hoffmann waren die Gärten besonders wichtig – frische Luft ist die beste Medizin, fand er“, erzählt Weniger. In der einstündigen Lesung stellen die beiden Schwestern in einer atmosphärischen Inszenierung das Leben und Wirken ihres Urururgroßvaters als Psychiater dar. Weniger liest vor, Hessenberg begleitet sie mit Musikstücken auf dem Saxophon, eigens für die Lesung geschrieben vom israelischen Komponisten Yuval Halpern. „Die Details machen die Geschichte so besonders“, sagt Weniger. So kommt nicht nur der Psychiater selbst zu Wort, Weniger liest auch Aufzeichnungen einiger seiner Patienten vor. „Da gibt es etwa einen 13-jährigen Jungen, der in der Schule von seinem Lehrer so heftig verprügelt wurde, dass er Halluzinationen bekam und überall Gespenster und Schlangen sah.“ Als Hoffmann den Jungen mit nach Haus nahm, damit er mit seinen Enkeln spielen konnte, notierte der, es gehe ihm schon viel besser.
„Die Lesung ist für jeden gedacht, der gerne schöne Musik hört. Und für jeden, der sich für Medizingeschichte interessiert und für das Gesellschaftsbild, das die Menschen damals hatten“, fasst Weniger zusammen. Kommenden Dienstag um 19 Uhr gastieren Weniger und Hessenberg in der Kapelle des Zentrums für psychische Erkrankungen der Uniklinik Freiburg, Hauptstraße 5. Am Freitag treten sie im Emmendinger Zentrum für Psychiatrie auf. MORITZ NEUFELD >VORTRAG „VOR SONNENAUFGANG“, am Dienstag, 4. April, um 19 Uhr in der Kapelle des Zentrums für psychische Erkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg. Der Eintritt ist frei.

 

Frankfurter Neue Presse  | 21.9.2016

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/stadtgefluester/Struwwelpeters-Verwandte;art51666,2226277

Heinrich Hoffmanns Nachfahren traten im Museum auf

Struwwelpeters Verwandte

Johanna Hessenberg (links) und Nina Weniger im Struwwelpeter-Museum.

Foto: Bernd Kammerer (.) Johanna Hessenberg (links) und Nina Weniger im Struwwelpeter-Museum.

Frankfurt. Als Kinder wurden sie immer wieder mal deshalb gehänselt und als Heranwachsende fand die eine es sogar richtig uncool, die Ur-ur-Urenkelin des Frankfurter Arztes und Psychiaters Heinrich Hoffmann, des Autors des legendären „Struwwelpeter“, zu sein.Doch das ist lange her – bei der einen etwas mehr, bei der anderen etwas weniger. Nun sind die Schwestern Nina Weniger und Johanna Hessenberg , eigens aus Berlin angereist, wo sie beide leben und arbeiten, um den 122. Todestag ihres Vorfahren zu begehen. Passenderweise geschah dies gestern im Struwwelpeter-Museum an der Schubertstraße. Beide taten, was sie am besten können: Nina Weniger rezitierte und Johanna Hessenberg spielte dazu auf dem Saxofon.„Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“, findet Schauspielerin Nina Weniger. Der Geburtstag – es wäre auch kein runder gewesen – hätte sich eventuell auch angeboten. „Nur habe ich einen Tag zuvor meine Tochter zur Welt gebracht“, sagt Musikerin Johanna, deren Kind am 12. Juni zur Welt kam. Also fast auf den Tag genau 207 Jahre nach ihrem Ur-ur-ur-ur-Großvater.„Als Kinder haben wir den ,Struwwelpeter‘ natürlich hoch und runter gelesen“, berichtet die 47-Jährige Nina Weniger. „Meinem dreijährigen Sohn lese ich auch aus dem ,Struwwelpeter‘ vor“, sagt die 35-jährige Johanna Hessenberg, die ihre ganze Familie mit nach Frankfurt genommen hat. Sie kamen alle bei ihrer Mutter unter, die in diesem Jahr sogar die Lesung miterlebte.„Das war vergangenes Jahr nicht möglich, weil sie auf ihren Enkel aufpassen musste“, so Johanna Hessenberg.„Mein Sohn ist heute 19, war aber als Kind ein passionierter Daumenlutscher“, erinnert sich Nina Weniger. „Doch als meine Mutter ihm ,Die Geschichte vom Daumenlutscher‘ vorlas, schmiegte er sich ganz eng an sie und genoss das. Er hat die Geschichte überhaupt nicht auf sich bezogen“, erinnert sich Nina Weniger. Der kleine Mann brauchte auch keine Angst zu haben, dass ihm, wie dem Konrad in der Geschichte, die Daumen abgeschnitten würden.Nina Weniger ist übrigens unter anderem aus der Serie „Unser Charly“ bekannt, aber sie war auch in einigen Folgen der ARD-Kultkrimiserie „Tatort“ und bei der RTL-Serie „Cobra 11“ zu sehen. Außerdem machte sie sich durch die vielen Hörbücher, die sie eingelesen hat, einen Namen.„Unser Opa hat sogar eine Kantate komponiert“, weiß Johanna Hessenberg, die als Profimusikerin unter anderem in der Band „Sistanagila“ spielt. „Und unsere Großmutter, die Oma Hessenberg, arbeitete auch hier im Museum“, so die beiden. Die kleine Johanna war oft dabei, wenn Gisela Hessenberg die Besucher durch das Haus führte. „Es sind auch viele Familienerbstücke hier“, so Johanna Hessenberg.„Vor drei Jahren las ich seine Lebenserinnerung’ und war überrascht, wie lustig und humanistisch er war“, berichtet Nina Weniger, über die jüngste Annäherung an ihren Ahnen. Demnächst steht sie wieder vor der Kamera, dreht für das amerikanische Unternehmen Netflix eine Serie, in der sie eine Nebenrolle hat.Heute Abend gastieren sie mit ihrem 75-minütigen Programm in Heidelberg und im April sind sie in Freiburg zu Gast.(es)

 

Elbe-Jeetzel-Kiebitz | 11. Februar 2016:

„Zwischen den Zeilen“ hat Christa Tornow ihr Textbuch über den Schriftsteller Franz Fühmann überschrieben. Gut zwei Monate hatte sie daran gearbeitet, um sich dessen innere und äußere Gestalt, Lebensumstände und schriftstellerische Vorgehensweisen zu erschließen. Das Ergebnis: 84 Manuskriptseiten, die sie als Moderatorin oder Vorleserin im Wechsel mit der Schauspielerin Nina Weniger am Sonntag etwa 40 Gästen in Wustrows Museum präsentierte. Sehr schnell erschloss sich aus den von Tornow ausgewählten und von Weniger gefühlvoll vorgetragenen Auszügen, woher das Motto „Zwischen den Zeilen“ rührte. Es erklärt sich aus Fühmanns Biographie und seinem Leben in der DDR. bbm

 

Elbe-Jeetzel-Zeitung | 13. Juli 2015:

Am Sonntag brachte Nina Weniger ein teils gelesenes, teils gespieltes Stück zum Thema Kino mit. Mit viel Humor und einigen Spitzen zeigte sie den Kontrast zwischen historischen Kinoprogrammen in der Stadt und auf dem Land auf, erzählte von Ökonomierat Lemke, der 1923 für Kinos auf dem Land unter anderem den Film „Vom Ei zum Huhn“ empfahl. `Warum konnte ich in der Alten Brennerei nie den Film „Vom Ei zum Huhn sehen“?´ Lautes Gelächter im Saal, das sich durch Wenigers gesamte Vorführung zog. tl