Auf der Bühne vor Publikum stehen Körper, Geist und Stimme vor ganz anderen Herausforderungen als in einem normalen Gespräch. Wir stehen plötzlich im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit. Uns wird bewusst, dass wir gehört werden und hören uns selbst zu. Nicht nur von innen wie sonst auch, sondern diesmal auch von außen: Wie klingt eigentlich meine Stimme? Sie kommt mir so fremd vor? Warum zittert sie? Hören die anderen das auch?
Warum klingt meine Stimme vor Publikum anders?
Solche Gedanken können uns leicht von unserer eigentlichen Aufgabe ablenken. Dagegen helfen zwei Dinge. Erstens: Eine gute Umgebung kreieren. Zweitens: Üben. Um das Üben geht es in diesem Artikel nicht, du könntest aber zum Beispiel in den Artikeln „In 9 Schritten Text auswendig lernen“ oder „In 9 Schritten einen überzeugenden Vortrag vorbereiten“ Inspiration finden. Hier geht es um die Stimme und wie wir ihr ein gutes Ambiente bereiten. Eine Umgebung, die der Stimme hilft, ihren Platz zu finden, sich Raum zu nehmen und ihr Potential zu entfalten. Denn das Problem ist fast nie die Stimme, die Stimmbänder, die Stimmfunktion, sondern unser Umgang damit.

In unserem modernen Leben verbringen viele von uns einen großen Teil des Tages sitzend, den Blick auf den Bildschirm gerichtet. Der Körper ist irgendwie dabei, wo sollte er auch sonst sein? Aktiv ist er nicht. Bemerken tun wir ihn oft erst dann, wenn er Probleme macht: Rückenschmerzen, trockene Augen, Hunger oder Durst sorgen für die Erinnerung an unseren Körper. Oder die Frage: Habe ich in den letzten zehn Minuten eigentlich geatmet?
Stress & Hektik sind nicht gut für die Stimme
Womöglich gehen wir direkt aus so einer Situation in unsere Präsentation. Es war wenig Zeit für die Vorbereitung, die Slides mussten noch fertiggestellt werden oder es kam noch ein unerwarteter Anruf…Auf der Bühne, vor unserem Publikum soll nun alles funktionieren: Der Körper, die Stimme, die Atmung, alle sollen mitmachen und bitte keine Ausreißer jetzt, kein Rotwerden, keine belegte Stimme und kein Zittern. Das muss doch möglich sein!
Als Schauspielerin kann ich dir sagen, dass niemand aus meinem Metier so auf die Bühne hasten würde. Nein, Schauspieler*innen nehmen sich bewusst Zeit. Bereiten sich vor. Machen Körper- und Stimmübungen. Damit erreichen sie eine Einheit von Körper und Stimme, eine Verbindung, die ihrer Stimme die Körperkraft zur Verfügung stellt. Das bedeutet, dass die Stimmkraft nicht aus dem Hals, nicht von den Stimmbändern gestemmt werden muss, sondern vom Körper unterstützt wird. Daher der Begriff „Stütze“ in Gesang und Schauspiel.
Babys werden nicht heiser
Kleine Kinder können das hervorragend: Die Stimme mit voller Kraft einsetzen, den ganzen Körper nutzen und sich Gehör verschaffen. Ein Inbegriff von Lebendigkeit ist dieses Baby-Schreien: Die Händchen zu Fäusten geballt, die Beinchen vom Körper gestreckt, die Bauchdecke aktiv wie ein Blasebalg. Schließlich geht es um alles! Das Schreien ist ein Überlebens-Garant. Heiser werden sie dabei nicht. Das zeigt: Wir alle konnten das mal. Wir müssen nur den Zugang wieder freilegen.
Der Stimme Raum geben
Im Laufe des Lebens wird Lautsein in fast allen Bereichen unwichtiger – und unerwünschter. Wir lernen, unsere Wünsche sanft und freundlich zu formulieren. Insbesondere, wenn wir Mädchen sind. Das hat für unser Zusammenleben viele Vorteile. Es hat auch für uns selbst Vorteile, denn wir lernen, uns gut auszudrücken, klar zu formulieren und rücksichtsvoll zu sein. Was dabei in Vergessenheit gerät, ist das Potential unserer Stimme. Die Möglichkeiten, sie zum Schreien, Singen, Kreischen, Lachen, Gröhlen, Jubeln, Kieksen, Piepsen, Juchzen, Brüllen, Seufzen, Klagen, Rufen zu nutzen, nehmen mit dem Erwachsenwerden rapide ab. Im Alltag mag das richtig sein, aber für die Stimme ist es schade. Sie kann soviel, es macht soviel Spaß, mit ihr herumzuspielen und herumzuprobieren – nur Gelegenheiten gibt es wenige.
Eine Herausforderung für die Stimme
Ich selbst hatte dieses Jahr eine tolle Option, meine Stimme mal so richtig bis zum Anschlag einzusetzen. Bei über 15 Auktionen habe ich im Berliner Ensemble das Publikum im Foyer bespaßt. Die Herausforderung dabei ist vor allem die: Die Leute wollen gerade gehen, sie schlüpfen in ihre Jacken, plaudern, verabschieden sich. Meine Aufgabe ist es, stimmlich so zu „verlocken“, dass sie neugierig werden, stehenbleiben, zuhören und schließlich sogar mitbieten bei der Versteigerung. In meinem Jahresrückblick habe ich darüber berichtet.

Schaffe dir Gelegenheiten
Wenn du deine Stimme mit ins Boot holen möchtest beim Sprechen vor Publikum, beim Präsentieren, bei Auftritten, dann ist es eine gute Idee, mit ihr in Kontakt zu kommen und ihr Gelegenheiten zum Ausprobieren anzubieten. Das können organisierte Events wie Chor, Yoga, Workshops sein und das können Einzelcoachings wie mein Coaching „Authentisch Präsentieren!“ sein, in denen der Fokus auf das ganzheitliche Zusammenspiel von Körper und Stimme gerichtet ist. Wenn du gleich loslegen möchtest, habe ich hier drei Übungen, die man kleiner oder größer, länger oder kürzer, fast überall machen kann:
3 einfache Stimm-Übungen für zuhause
Zunächst sprich einen Satz, egal was, und höre auf den Klang deiner Stimme. Was fällt dir auf? Was gefällt dir?
- Aktiviere dafür deinen Körper. Dehne ihn, strecke ihn, gähne, lache, klopfe. Mach das so lange, bis du das Gefühl hast, deine Körperwahrnehmung ist wacher geworden.
- Aktiviere deine Füße. Geh barfuß oder in Socken im Zimmer auf und ab, behandle die Füße wie in der obigen Übung den Körper: dehne sie, strecke sie, drehe sie, wackle auf und ab und hin und her. Auch diese Übung mach so lange, bis die Wahrnehmung deiner Füße sich verändert hat. Du spürst jetzt, dass du Füße hast!
- Ganz sanft: Töne auf hmmm. Leise und freundlich. Als würdest du deine Stimme zum ersten Mal hören. Beende die Übung, wenn du das Gefühl hast, die Stimme ist in deinem Körper angekommen.
Nun sprich den gleichen Satz wie am Anfang noch einmal. Hörst du einen Unterschied im Klang? In der Intensität? In der Stimmung?
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich auf der Schauspielschule diese – und viele andere – Übungen kennengelernt habe. Am Anfang dachte ich immer: Was wollen die von mir? Ich höre keinen Unterschied. Irgendwann wird das Ohr feiner, die Schwingungen verändern sich und nach und nach lernt man, wirklich in Kontakt mit der Stimme zu treten. Daher: Wenn du keine (großen) Veränderungen wahrnimmst, mach einfach weiter. Das Zusammenspiel mit der Stimme ist ein Prozess.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Mit mir an deiner Stimme arbeiten
Du möchtest lieber mit professioneller Begleitung an deiner Stimme und deinem Auftritt arbeiten? Dann schreibe mir an info@ninaweniger.de und ich melde mich für ein kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch bei dir. Das Gespräch dauert eine Viertelstunde. Wir reden darüber, was du bisher in herausfordernden Redesituationen erlebt hast und wie ich dich dabei unterstützen kann, einen anderen Umgang damit zu entwickeln. Ich freu mich auf dich!